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Curt Walter Tannhäuser


Glossar zur Skulptur



Leben ist:
Zuerst ist da die Nicht-Form der
Nicht-Form, das Unbenennbare.
Daraus entstand das Eine.
Dieses Eine, ohne Form, das die Dinge bekommen müssen, um erzeugt zuwerden.

Begriff ist:
Was noch keine Form hat und obwohl in der Form schon Teile angelegt sind,doch noch keine Geschiedenheiten aufweist.

Natur ist:
Was in seinem Beharren und Bewegen die Dinge erzeugt. Körperliche Form, Skulpturen die Geistiges schützend umfassen, dass beides seine besondere Wirkungsweise zeigt.

Mensch ist:
Ich habe dieses Leben, ich habe Begriffe und Natur in meiner tatsächlichen Form bekommen und mache alles für mein körperliches und seelische Wohlbefinden. Und mir ist klar, dass das, was ich tue, Leben und Kunst ist, ohne mich auf ein Ziel hinzubewegen. Ich befinde mich sozusagen immer am Ziel und ändere mich mit ihm. Der Körper, die Form mit seiner Lebenssubstanz die sich dauernd erneuert und wieder verbraucht, ist die eine Komponente der Skulptur im Energiekreislauf ,die andere ist die Hülle um den Körper ist seine Illusion - und beide werden zum Kunstwerk. Eine Materie die man nicht sieht, eben das Kunstwerk. Mit dieser Skulptur erfahre ich meine eigene Form, mit der ich andere Formenverstehen und erfahren und kreieren kann. Ich erfahre die Kunst durch meine eigene Figur ohne sie verstehen zu wollen. Das "Ich" in diesem Körper ist auch "Mich" oder "Mein", und dieser Körper mitseiner eigenen Befindlichkeit ist Skulptur und Werkzeug für werdende Skulpturen. Die Kunstenergie, die durch meine Adern über meine Hände ins Material fliesst, will Anklagen, Schreit um Hilfe und überbrückt durch spielende Kreativität, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Mein Kampf um die Verwirklichung ist eine Serie von Freuden, Bemühungen, Leiden, Befriedigung, Verzichten und Erleuchtungen.Kunst möchte ich erfahren und nicht verstehen wollen. Ich erfahre meinen Körper als Plastik und als Skulptur, mit ihm erneuere und vermittle ich mein Leben, meine Kunst, so dass alle daran teilhaben können.

In diesem Ideenbauplan erschöpfen sich Imagination, Poesie, Kreativität und Gestaltungsgebärde nie. Gedachtes und Ungeformtes wird winzig, gegenüberdem Ungedachten und Ungeformten.

Häutungen
Ich als Standbild, als Statue, als plastisches Bildwerk mit seinem besten Ort imKörper als Figur und Relief, ist eingeschlossen in einem verletzbaren, fragilen Zellgewebe. Diese Materie stösst dauernd die alte Haut ab. Ein Gipsabguss vom Gesicht ist Bestandteil der Häutung. Das Gesicht hat den Abguss mit seiner persönlichen Mimik abgestossen. Der Abguss und das fühlende Individuum sind zweigeteilt. Die Auflösung der Dichotomie erzeugt die Funken für das werdendeKunstwerk.

Horssol
Ist eine Art Manifestation. Die Wahl dieser Anordnungen sind nie von einerästhetischen Lust diktiert. Sie beruhen auf einer Reaktion visueller Indifferenzbei einer gleichzeitigen totalen Abwesenheit vom guten oder schlechten Geschmack.

Auf das etwas wachsen kann braucht es die Stützsubstrate. Ensol meint auf der Erde wachsen und Horssol meint über der Erde wachsen in offenen undgeschlossenen Systemen, die, die Befürworter nach ihren Erkenntnissen selbst zurechtgemacht haben. Auf der einen Seite wachsen die Lebewesen im Energiekreislauf Natur, auf deranderen in künstlichen Systemen. Mein Körper wächst auf seine natürliche Art in der Evolution. Der Abguss wächst auf seine Weise heran, als eine künstliche Mimesisform, als Bestandteil und Material des werdenden Kunstwerkes.Auf der einen Seite haben wir die natürliche und auf der anderen Seite diekünstliche Form. Kunst, Philosophie, Religion und Gesetze sind künstliche Formen, die Gesellschaft eine organische, natürliche Form. Von diesem Standpunkt aus lässt sich erkennen, das alles was der Menscherzeugt, künstliche Formen werden, ob ich Lippenstift oder ob ich Sauerstoff-Reserven erfinde und entwickle um auf den Mars zu kommen um dort obenküstlich zu leben. Die 3168 Abgüsse in Horssol sind ein para-spirituelles Reservoir mitmerkwürdigen Werten in absoluter Opposition zum alltäglichen Funktionalismus. (Siehe: Text von Sandra Ruff)

Monte (TI) 12. Juli 2000